Ansprache von Studierenden in Lehrveranstaltungen

Shownotes

Link zum Leseimpuls: https://ww.uni-bielefeld.de/uni/profil/gleichstellung/forschung-und-lehre/gil-to-go/kommunikation/

Quellenangaben

Die Vielfalt von Geschlecht geht über die Binarität von Frauen und Männern hinaus, was neue inklusive Wege der Ansprache erforderlich macht (Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2019; BMBFSFJ 2025; Freie Universität Berlin 2020).

Eine gendersensible Ansprache trägt zu einem respektvollen Klima und einer guten Gesprächskultur bei (Auferkorte-Michaelis et al. 2009).

Die Anwesenheit in Lehrveranstaltungen führt zu besseren Prüfungsleistungen (Schulmeister 2020).

Ein guter Lerndialog zwischen Lehrenden und Lernenden erhöht die Chance auf gute Leistungen (Hattie 2010; Schneider und Preckel 2017).

Queere Personen machen häufig Diskriminierungserfahrungen und entscheiden sich oft bewusst gegen ein Outing (Vries et al. 2020).

Literatur

Antidiskriminierungsstelle des Bundes. 2019. Leitfaden: Diskriminierungsschutz an Hochschulen. Ein Praxisleitfaden für Mitarbeitende an Hochschulen. https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/DiskriminierungsfreieHochschule/leitfadendiskriminierunghochschule20130916.pdf?__blob=publicationFile&v=3.

Auferkorte-Michaelis, Nicole, Ingeborg Stahr, Anette Schönborn, und Ingrid Fitzek, Hrsg. 2009. Gender als Indikator für gute Lehre. Budrich UniPress Ltd. https://elibrary.utb.de/doi/book/10.3224/9783863881115.

BMBFSFJ. 2025. Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG). BMBFSFJ, Juni 3. https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/queerpolitik-und-geschlechtliche-vielfalt/gesetz-ueber-die-selbstbestimmung-in-bezug-auf-den-geschlechtseintrag-sbgg--199332.

Freie Universität Berlin. 2020. Ansprache von Studierenden: Richtiges „Gendern“ in der digitalen Kommunikation – Toolbox-Blog. Mai 2020. https://blogs.fu-berlin.de/toolbox/2020/05/20/ansprache/.

Hattie, John. 2010. Visible Learning. Reprint. Routledge.

Schneider, Michael, und Franzis Preckel. 2017. Variables Associated with Achievement in Higher Education: A Systematic Review of Meta-Analyses. Psychological Bulletin 143 (6): 565–600. https://doi.org/10.1037/bul0000098.

Schulmeister, Rolf. 2020. Chancen und Grenzen einer Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen. Ein Studienreview zu Anwesenheit und Lernerfolg.

Universität Bielefeld. o. J. Änderung von Anzeigename und E-Mail-Adresse - Universität Bielefeld. https://www.uni-bielefeld.de/einrichtungen/bits/services/kuz/e-mail-und-kalender/anleitung/aenderung-anzeigename-und-adresse/.

Vries, Lisa De, Mirjam Fischer, David Kasprowski, u. a. 2020. LGBTQI*-Menschen am Arbeitsmarkt: hoch gebildet und oftmals diskriminiert. DIW Wochenbericht, advance online publication. https://doi.org/10.18723/DIW_WB:2020-36-1.

Transkript anzeigen

00:00:01: Und was ist es?

00:00:03: Junge oder Mädchen?

00:00:05: Die Frage kennen wir doch alle.

00:00:08: Aber mal ehrlich, warum ist uns das eigentlich so wichtig?

00:00:14: GiL to go, Lese und Hörimpulse für eine geschlechtergerechte

00:00:18: Lehre.

00:00:23: Willkommen zu einem neuen GiL-Impuls.

00:00:25: Thema heute Ansprache von Studierenden in Lehrveranstaltungen.

00:00:30: Warum ist das wichtig?

00:00:32: Alle Beteiligten profitieren davon, wenn in unseren Lehrveranstaltungen Studierende und Lehrende respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen.

00:00:41: Eine entspannte Atmosphäre, in der sich alle sicher und gesehen fühlen, ist dafür super wichtig.

00:00:47: Studierende fühlen sich dann eher als Teil der Gruppe, sind motivierter und schneiden sogar bei Prüfungen besser ab.

00:00:55: Die Art, wie wir Studierende ansprechen und wie wir über sie sprechen, ist dafür schon oft die halbe Miete.

00:01:02: Worum geht es?

00:01:04: Egal ob bei der Arbeit oder Privat.

00:01:07: Die meisten Personen finden es schön, ihren Namen zu hören.

00:01:10: Es macht einen Unterschied, ob wir unsere Mitmenschen mit einem einfachen Guten Morgen oder eben mit Guten Morgen Marie, Dennis oder Luca begrüßen.

00:01:19: Und die meisten sind ein bisschen genervt, wenn sie mit einem falschen Namen oder sogar mit einem falschen Geschlecht angesprochen werden.

00:01:26: Das geht sogar mir als weiße cis-Person so.

00:01:29: Für TIN*, also trans-, inter- oder nichtbinäre Personen, sind solche Situationen aber noch deutlich unangenehmer.

00:01:37: Das Problem dabei ist, dass wir einer Person ihre Geschlechtsidentität manchmal nicht ansehen können.

00:01:43: Und auch Namen helfen dabei oft nicht wirklich weiter.

00:01:46: Wenn ich zum Beispiel eine E-Mail von Alex Müller bekomme, ist nicht klar, ob ich besser mit Herr Müller, Frau Müller oder mit keinem von beidem antworten sollte.

00:01:57: Hinzu kommt, dass TIN-Personen zwar laut Selbstbestimmungsgesetz ihren Geschlechtseintrag und ihren Vornamen ändern können, dieser Prozess zieht sich aber oft lange hin.

00:02:07: Es können also Namen auf Ausweisdokumenten oder Kurslisten stehen, die im alltäglichen Leben längst nicht mehr verwendet werden.

00:02:15: Gerade für TIN-Personen kann es aber noch deutlich unangenehmer sein, mit einem falschen Pronomen oder einem falschen Namen angesprochen zu werden.

00:02:23: Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass eine Transfrau im Seminar versehentlich mit einem männlichen Namen aufgerufen wird, den sie in ihrem Alltag nicht mehr verwendet.

00:02:32: Oder eben als Herr XY.

00:02:35: Dann wird sie unter Umständen ungewollt geoutet und das kann für die betreffende Person sehr weitreichende Folgen haben.

00:02:43: TIN- und andere queere Personen sind leider immer noch sehr häufig Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt.

00:02:49: Sie entscheiden sich daher oft sehr bewusst dazu, sich eben nicht zu outen.

00:02:54: Mit der Einführung der dritten Option und dem Selbstbestimmungsgesetz hat das Bewusstsein für die Vielfalt von Geschlecht zum Glück deutlich zugenommen.

00:03:02: Und das rückt nicht nur die Frage Junge oder Mädchen in ein anderes Licht.

00:03:07: In unserer Sprache war bisher eigentlich alles binär angelegt.

00:03:11: Es gibt zum Beispiel keine festgelegten Pronomen für nonbinäre Personen, und auch kein Pendant zu der Ansprache mit Frau oder Herr.

00:03:19: Wir alle stehen vor der Herausforderung, inklusive Wege der Ansprache zu finden, die alle einbeziehen und niemanden ausschließen oder versehentlich misgendern.

00:03:28: Verlieren wir das in unseren Lehrveranstaltungen aus den Augen, kann es zum Rückzug einzelner Studierender, zu einer ungünstigen Lernumgebung oder sogar zu Diskriminierungserfahrungen führen.

00:03:40: Sprechen wir in unseren Lehrkontexten hingegen gendersensibel mit und über die beteiligten Personen, haben wir häufig schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

00:03:49: All dies zeigt, Ansprache wirkt.

00:03:52: So oder so.

00:03:54: Was können wir tun?

00:03:56: Für diejenigen, die sich noch nicht intensiv mit diesem Thema beschäftigt haben, werden einige der gleich folgenden Vorschläge vielleicht etwas ungewohnt erscheinen.

00:04:05: Eine neue Art zu sprechen fühlt sich oft noch etwas holprig an und es ist auch normal, dass wir anfangs unwillkürlich in alte Gewohnheiten zurückverfallen.

00:04:14: Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass sprachliche Gewohnheiten sich schon bald ganz normal und natürlich anfühlen.

00:04:21: Wenn wir die Art unserer Kommunikation bewusst umstellen, kann es manchmal helfen, dies im Kurs offen zu besprechen.

00:04:27: Wer z.B.

00:04:27: zuvor alle Studierenden mit Frau X oder Herr Y angesprochen hat, tut gut daran kurz zu erklären, aus welchem Grund nur noch Vor- und Nachnamen zu hören sind.

00:04:38: Kommen wir nun zu den konkreten Möglichkeiten.

00:04:41: Welche Optionen gibt es, eine ganze Gruppe gender-sensibel anzusprechen?

00:04:46: Im universitären Kontext sind Bezeichnungen wie Studierende oder Lehrende am Gebräuchlichsten.

00:04:53: Andere Möglichkeiten wären das Gendersternchen wie bei Student*innen oder Kollektivbezeichnungen wie Gruppe oder Team.

00:05:01: Wenn es um die direkte Ansprache in Kursen geht, ist es eine gute Praxis Vor- und Nachnamen zu verwenden, anstatt auf Herr oder Frau zurückzugreifen.

00:05:09: Bei E-Mails könnte das so aussehen.

00:05:11: Guten Tag, Alex Müller.

00:05:14: Für die persönliche Ansprache kann es in kleineren Kursen hilfreich sein, die Teilnehmenden nach ihren bevorzugten Namen oder Pronomen zu fragen.

00:05:23: Dies kann durch persönliche Nachrichten geschehen oder durch Vorstellungsrunden, in denen Pronomen freiwillig genannt werden können.

00:05:30: Das Nennen von nichtbinären oder nicht zum äußerlichen Erscheinungsbild passenden Pronomen erfordert für die betroffenen Personen allerdings eine gute Vertrauensbasis.

00:05:41: Wir sollten uns bewusst darüber sein, dass es noch immer ein Privileg von cis-Personen ist, die eigenen Pronomen ohne Bedenken mitteilen zu können.

00:05:50: Aus diesem Grund sollte auf das Herumgeben von automatisch aus dem EKVV generierten Listen mit Vor- und Nachnamen der Studierenden besser verzichtet werden.

00:05:59: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gendersensible Sprache eine einfache, aber wirkungsvolle Methode ist, um Inklusivität zu fördern und ein respektvolles Miteinander zu stärken.

00:06:11: Für Lehrende bedeutet dies, sensibel für die Bedürfnisse der Studierenden zu sein und Schritte zu unternehmen, um eine offene und unterstützende Lernumgebung zu schaffen.

00:06:21: So, das war's mal wieder für den Moment.

00:06:24: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:06:26: Das war ein Impuls von GiL to Go.

00:06:29: GiL to Go ist eine Produktion des Gleichstellungsbüros der Universität

00:06:34: Bielefeld

00:06:34: aus dem Programm Gleichstellung Sehen und Hören.

00:06:38: Text:

00:06:39: Beate Lingnau, Siân Birkner und Nora Charlotte Gehlen.

00:06:44: Sprecherin: Beate Lingnau.

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