Planung und Durchführung von Prüfungen

Shownotes

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Quellenangaben

Studie zu Noten im Fach Mathematik auch bezogen auf unterschiedliche Prüfungsformen (Göller et al., 2022).

Studie zu Juristischen Staatsexamen (Towfigh et al., 2014).

Studie zu Noten im Fach Sport (Wagner et al., 2024).

Studie zu Noten im Lehramtsstudium Sport (Magner et al., 2023).

Zusammenhang Selbstkonzept der akademischen Fähigkeiten und der Grad der Selbstwirksamkeit (Brühwiler et al., 2025).

Gewissenhaftigkeit von Frauen bei der Vorbereitung auf Prüfungen (Woodfield et al., 2005).

Anpassung von Lernstrategien (Peters, 2007).

Bedeutung guter Planbarkeit für Studierende mit Sorgeaufgaben (Blundell und Hissel, 2022).

Literatur

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Transkript anzeigen

00:00:02: Juristische Staatsexamen sind wohl keine leichte Sache.

00:00:05: Das ist ja allgemein bekannt.

00:00:07: Vor einiger Zeit bin ich aber auf eine Pressemeldung gestoßen, die mich etwas nachdenklich gestimmt hat.

00:00:13: Dort stand nämlich, dass in NRW im Jahr zwanzig dreiundzwanzig nur zwei von drei weiblichen Personen ihr Staatsexamen im Fach Jura bestanden haben.

00:00:22: Bei männlichen Personen bestanden immerhin vier von fünf.

00:00:26: Wenn es um gute Examensnoten geht, zeigt sich ein umgekehrtes Bild.

00:00:30: Während nur etwa jede sechste Frau ein Prädikatsexamen schafft, ist es bei Männern immerhin jeder vierte. 

00:00:46: GiL to go. Lese- und Hörimpulse für eine geschlechtergerechte Lehre. Willkommen zu einem neuen GiL-Impuls.

00:00:49: Thema heute, Planung und Durchführung von Prüfungen.

00:00:53: Warum ist das wichtig?

00:00:55: Geschlechtsbedingte Unterschiede bei Prüfungsnoten wurden nicht nur in den Rechtswissenschaften gefunden.

00:01:01: Zugegeben, die Forschungslage ist hier noch ausbauffähig.

00:01:04: Beforscht wurden für die Uni bisher vor allem die Fächer Mathe und Jura.

00:01:09: Hier schneiden männliche Personen bei umfangreichen Prüfungen im Durchschnitt besser ab.

00:01:14: Eine Studie zu Prüfungsergebnissen im Fach Sport zeigt eher ein Vorteil für weibliche Studierende.

00:01:20: Für TIN Personen gibt es diesbezüglich noch keine Befunde.

00:01:24: Weitere Gruppen, die wir bei der Planung und Durchführung von Prüfungen nicht vergessen sollten, sind Studierende Eltern und solche, die in ihrem privaten Umfeld Pflegeaufgaben übernehmen.

00:01:34: Diese Gruppen sind im besonderen Maße darauf angewiesen, sehr vorausschauend planen zu können.

00:01:39: Sie müssen ihre Lernzeiten mit den Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen abstimmen und fallen zudem häufiger relativ kurzfristig aus, wenn zum Beispiel ein Kind oder eine pflegebedürftige Person krank wird.

00:01:52: Worum geht es?

00:01:53: In den zitierten Studien wurden aber nicht nur Noten verglichen.

00:01:57: Es gibt auch eine ganze Reihe von Erklärungsversuchen.

00:02:00: Wichtig dabei ist grob gesagt die Tendenz, dass männliche Personen, häufig besser, bei sehr umfangreichen Prüfungen abschneiden.

00:02:09: Weibliche Personen sind eher bei solchen Formaten mit einem überschaubaren Umfang im Vorteil.

00:02:14: Mögliche Ursachen für diese Unterschiede sehen die Forscher*innen vor allem in erworbenen, geschlechtsstereotypischen Persönlichkeitsmerkmalen der Lernenden, aber teilweise auch in Rollenerwartungen der Lehrenden.

00:02:28: Es zeigt sich zum Beispiel schon im Schulalter, dass Mädchen ihre Leistungen für das Fach Mathematik deutlich schlechter einschätzen als Jungen.

00:02:36: Dies gilt übrigens auch für die Einschätzung durch die Lehrerinnen.

00:02:39: Mädchen haben für dieses Fach also ein schlechteres Selbstkonzept, und niedrigere Selbstwirksamkeitserwartungen, und das, obwohl die Zeugnisnoten vergleichbar sind.

00:02:50: In sprachlichen Fächern ist dies genau umgekehrt.

00:02:53: Es gibt aber Hinweise darauf, dass sich diese Faktoren auf spätere Lernleistungen auswirken.

00:02:58: Wer nicht daran glaubt, Aufgaben erfolgreich meistern zu können, ist am Ende auch weniger motiviert und ausdauernd und glaubt auch vielleicht seltener daran, dass die eigenen Lösungsansätze richtig sein könnten.

00:03:09: Ein anderer Aspekt, der immer wieder aufgeführt wird, sind sozial erworbene Persönlichkeitsmerkmale.

00:03:15: Das bedeutet, dass weibliche Personen häufig einen höheren Grad an Gewissenhaftigkeit mitbringen.

00:03:21: Verschiedene Studien zeigen, dass sie sich durchschnittlich besser auf Klausuren vorbereiten, motivierter und engagierter sind und ihre Vorbereitungsstrategien besser anpassen können.

00:03:31: Männliche Personen haben, zumindest für Fächer wie Mathematik, ein besseres Selbstkonzept und sind auch tendenziell Risikobereiter.

00:03:39: Diese Eigenschaften gelten natürlich weder für alle männlichen, noch für alle weiblichen Personen.

00:03:46: Sie führen uns aber zu Handlungsmöglichkeiten für gerechteres Prüfen, die allen nützen.

00:03:52: Was können wir tun?

00:03:54: Wir haben drei Bereiche, die helfen können, das Prüfen an der Uni fairer zu gestalten.

00:03:59: Wir können versuchen, Studierende in ihrem Selbstkonzept und ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken.

00:04:05: So planen, dass Personen mit dem Bedürfnis sich sorgfältig vorzubereiten, hierfür ausreichend Zeit haben.

00:04:11: Und den Studierenden sinnvolle Hinweise geben, wie sie sich gut vorbereiten können.

00:04:17: Es kann außerdem helfen, in einem Studiengang unterschiedliche Prüfungsformen anzubieten.

00:04:21: Natürlich immer vorausgesetzt, dass die Formate didaktisch passend und sinnvoll sind.

00:04:26: Im Grunde hilft alles, was wir bereits über gute Prüfungsplanung und Vorbereitung wissen, diese auch geschlechtergerechter zu gestalten.

00:04:34: So kann es auch gelingen, dem gesetzlich vorgestriebenen Grundsatz der Gleichbehandlung noch etwas näher zu kommen.

00:04:40: Der erste Schritt für ein gutes Selbstkonzept und eine bessere Selbstwirksamkeit von Studierenden kann, auch wenn das vielleicht banal klingt, schon eine gute Stimmung und ein positives Lernklima in der Lehrveranstaltung sein.

00:04:54: Es kann auch helfen, darauf zu achten, möglichst konstruktives und wertschätzendes Feedback zu geben und daran zu denken, gute Beiträge von Studierenden auch explizit zu markieren.

00:05:06: Wahrscheinlich kennen das viele Lehrende.

00:05:08: Gerade wenn viele Rückmeldungen gegeben werden, passiert es schnell, dass nur die verbesserungswürdigen Aspekte angemerkt werden.

00:05:15: Kommen wir zum zweiten Aspekt.

00:05:17: Studierende müssen aus prüfungsrechtlicher Sicht frühzeitig darüber informiert werden, was in der Prüfung genau gefordert ist.

00:05:25: Wenn wir dies ernst nehmen und die Prüfungsformate und Termine sowie mögliche Inhalte schon zu Beginn des Semesters kommunizieren, hilft das, fairen Bedingungen für alle Geschlechter und auch für Personen mit Sorgeaufgaben zu schaffen.

00:05:39: Es ist ebenfalls ein prüfungsrechtlicher Grundsatz, dass Prüfungen zusammen mit den Lernergebnissen eine geschlossene Einheit bilden.

00:05:47: Wenn wir dies im Sinne eines constructive Alignments in unserer Planung berücksichtigen und versuchen Lerninhalte, Lernziele und Prüfungsformen möglichst gut aufeinander abzustimmen, ist das schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

00:06:03: Es kann ebenfalls helfen, offen und transparent zu kommunizieren und Hinweise dazu zu geben, wie Studierende sich gut auf Prüfungen vorbereiten können.

00:06:13: So nehmen wir auch Personen besser mit, denen eine strukturierte und langfristige Vorbereitung nicht ganz so leicht fällt.

00:06:20: Manches ist, wie bei allen Handlungstipps, leichter gesagt als umgesetzt.

00:06:24: Es ist also sinnvoll und völlig legitim, gewünschte Veränderungen Schritt für Schritt anzugehen.

00:06:30: Das Zentrum für Lehren und Lernen bietet mit seinen Fortbildungs- und Beratungsangeboten dafür eine gute Unterstützung.

00:06:37: So, das war es für den Moment.

00:06:39: Ich wünsche viel Freude beim Ausprobieren und verabschiede mich bis zum nächsten Mal bei GiL to go.

00:06:47: Das war ein

00:06:47: Impuls von GiL to go.

00:06:50: GiL to go ist eine Produktion des Gleichstellungsbüros der Universität Bielefeld aus dem Programm Gleichstellung Sehen und Hören.

00:06:59: Text: Beate Lingnau, Siân Birkner und Nora Charlotte Gehlen.

00:07:05: Sprecherin: Beate Lingnau.

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