Studierende mit Sorgeaufgaben

Shownotes

Link zum Leseimpuls: https://www.uni-bielefeld.de/uni/profil/gleichstellung/forschung-und-lehre/gil-to-go/Lebensrealitaeten

Literatur

Blundell, Inga, und Yvonne Hissel. 2022. Feministiken: die Wahrheit über Gleichberechtigung. Originalausgabe. Dtv.

Buß, Imke. 2019. Flexibel studieren – Vereinbarkeit ermöglichen: Studienstrukturen für eine diverse Studierendenschaft. Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26206-8.

Castiglioni, Laura. 2020. Young Carer: Wer pflegt wen? Familie als anpassungsfähige Care-Ressource. In Doing und Undoing Family, von Karin Jurczyk. Beltz Juventa. https://www.beltz.de/fachmedien/erziehungswissenschaft/produkte/details/43520-doing-und-undoing-family.html.

Heß, Moritz, Nicolas Zörlein, Miriam Grates, und Anna Wanka. 2024. Pflegende Studierende: Soziale Ungleichheiten in und Belastungen durch die (Nicht-)Vereinbarkeit von Pflege und Studium. Zeitschrift für Sozialreform 70 (3): 249–70. https://doi.org/10.1515/zsr-2023-0018.

Kroher, Martina, Mareike Beuße, Sören Isleib, u. a. 2023. Die Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung.

Lind, Inken, und Julia Hey. 2024. Machbarkeitsstudie „Balancierung von Studium und Pflege (CareStu?) - Georg-August-Universität Göttingen. Geort-August-Universität Göttingen. https://www.uni-goettingen.de/de/677942.html.

Samtleben, Claire. 2019. Auch an erwerbsfreien Tagen erledigen Frauen einen Großteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung. DIW Wochenbericht 86: S. 139-144. https://doi.org/10.18723/DIW_WB:2019-10-3.

Universität Bielefeld. 2023. „Leitlinie Digitale Lehre‘ an der Universität Bielefeld. https://www.uni-bielefeld.de/lehre/digitale-lehre/strategie/20231123Leitlinie-Digitale-Lehrefinal.pdf.

Hilfreiche Links

Familienportal Universität Bielefeld: https://www.uni-bielefeld.de/verwaltung/dezernat-p-o/familie/

Deutsches Studierendenwerk zu Studieren mit Kind: https://www.studierendenwerke.de/themen/studieren-mit-familie/angebote-fuer-studierende-mit-kind

Transkript anzeigen

00:00:00: Rund ein Fünftel aller Studierenden in Deutschland übernimmt Sorgeaufgaben im privaten Umfeld.

00:00:06: Aber nur weniger als die Hälfte der studierenden Eltern empfindet ihr Studium als familienfreundlich.

00:00:12: Das zeigt die 22. Sozialerhebung zur wirtschaftlichen Lage der Studierenden in Deutschland.

00:00:17: Ein deutlicher Hinweis.

00:00:19: Da gibt es noch viel zu tun.

00:00:21: Auch für uns als Lehrende.

00:00:23: GiL to go.

00:00:25: Lese und Hörimpulse für eine geschlechtergerechte

00:00:28: Lehre.

00:00:34: Willkommen zu einem neuen GiL Impuls.

00:00:36: Thema heute: Studierende mit Sorgeaufgaben.

00:00:41: Warum ist das wichtig?

00:00:43: Die Anzahl der Studierenden mit Sorgeaufgaben ist höher als man vielleicht denkt.

00:00:47: Rund acht Prozent von ihnen sind Eltern und etwa zwölf Prozent pflegen Angehörige oder andere nahestehende Personen.

00:00:55: Beides ist für sich genommen schon herausfordernd.

00:00:58: In Kombination mit dem Studium wird es aber richtig anstrengend.

00:01:02: Und wenn dann noch ein Job dazu kommt, wird der Alltag schnell zur Dauerbelastung.

00:01:07: Der Spagat zwischen Sorgearbeit, Studium und Erwerbsarbeit ist für viele kaum zu bewältigen.

00:01:13: Jedenfalls nicht ohne, dass etwas dabei auf der Strecke bleibt.

00:01:17: Das kann den Studienverlauf verzögern, die Gesundheit belasten oder einfach dauerhaft überfordern.

00:01:23: Ein Grund mehr, warum wir als Lehrende hinschauen sollten.

00:01:28: Worum geht es?

00:01:30: Wir können davon ausgehen.

00:01:32: In fast jeder größeren Lehrveranstaltung sitzen Menschen, die Sorgeaufgaben übernehmen.

00:01:37: Das heißt, sie kümmern sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige.

00:01:41: Und das bringt oft große Herausforderungen mit sich.

00:01:44: Denn das Leben mit Kindern ist anstrengend, auch ganz ohne Uni oder Job.

00:01:49: Morgens vor dem ersten Seminar muss oft schon einiges erledigt werden.

00:01:52: Zähne putzen, Anziehsachen rauslegen, Brote schmieren, Kita oder Schule anfahren.

00:01:59: Nach der Uni geht's dann direkt weiter.

00:02:01: Kinder abholen, kochen, ins Bett bringen.

00:02:05: Die Zeit, die in die Betreuung fließt, fehlt dann fürs Studium oder den Nebenjob.

00:02:10: Sorgearbeit ist aber nicht nur zeitintensiv, sie ist oft auch alternativlos und lässt sich nur schwer planen.

00:02:17: Ein zweijähriges Kind oder eine pflegebedürftige Großmutter lassen sich schließlich nicht einfach umschieben.

00:02:23: Hinzu kommt, dass Betreuungszeiten von Kindertagesstätten oder Tagespflegeeinrichtungen nicht unbedingt zu den Veranstaltungszeiten an der Universität passen.

00:02:32: Durch den aktuellen Fachkräftemangel in diesen Einrichtungen kann es sogar sein, dass an manchen Tagen gar keine Betreuung stattfindet.

00:02:40: Außerdem passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge.

00:02:43: Kinder müssen aus der Schule oder Kita abgeholt werden, weil sie krank sind oder andere Betreuungspersonen fallen aus.

00:02:50: Besonders in Familien mit Vorschulkindern sind alle häufig krank.

00:02:54: Kinder bringen aus der Kita Infekte mit und dann stecken sich nach und nach auch alle anderen Familienmitglieder an.

00:03:00: Personen mit Sorgeaufgaben sind daher oft zusätzlich auf Absprachen mit anderen betreuenen Personen angewiesen.

00:03:08: Hinzu kommt vor allem bei der Pflege von Angehörigen häufig eine große psychische Belastung.

00:03:13: All dies führt dazu, dass Studierende manche Termine in der Uni nicht wahrnehmen können.

00:03:18: Lehrveranstaltungen, die früh morgens, spät abends, am Wochenende oder in den Schulferien stattfinden, können daher häufig nicht regelmäßig besucht werden.

00:03:28: Zudem ist es für diese Studierenden manchmal schwierig, alle Anforderungen fristgerecht zu erfüllen oder sich optimal auf Prüfungen vorzubereiten.

00:03:38: Damit Studium und Sorgearbeit besser miteinander vereinbar sind, braucht es gezielte Unterstützung.

00:03:43: Und die gibt es an der Uni Bielefeld bereits.

00:03:45: Der Familienservice stellt hilfreiche Informationen und Angebote für studierende Eltern und Pflegende bereit.

00:03:52: Doch auch wir als Lehrende können dazu beitragen, die Studienbedingungen zu verbessern.

00:03:58: Schon kleine Schritte helfen, etwa indem wir zu Semesterbeginn unsere Gesprächsbereitschaft signalisieren und Studierende ermutigen, ihre Situation offen anzusprechen.

00:04:09: So schaffen wir gemeinsam eine Lernatmosphäre, in der unterschiedliche Lebensrealitäten Platz haben und niemand mit seinen Herausforderungen alleine bleibt.

00:04:20: Was können wir tun?

00:04:21: Es entspannt die Situation, wenn die Studierenden wissen, dass wir uns der Herausforderungen bewusst sind, die mit Sorgeaufgaben einhergehen.

00:04:29: Viele Lehrende kennen das ja auch aus eigener Erfahrung.

00:04:33: Wir können signalisieren, dass wir bereit sind, Lösungen für individuelle Probleme zu finden.

00:04:38: Viele davon lassen sich aber auch antizipieren und durch eine sorgfältige Seminarplanung umgehen.

00:04:44: Wenn zum Beispiel alle Aufgaben und Termine schon zu Beginn des Semesters kommuniziert werden, hilft das nicht nur Personen mit Sorgeaufgaben, sondern kommt allen Kursteilnehmer*innen zugute.

00:04:55: Sogar für uns als Lehrende lohnt sich die Arbeit zu Beginn eines Seminars, weil wir dann im laufenden Semester weniger Aufwand haben.

00:05:03: Es kann auch helfen, im Vorfeld zu kommunizieren, welche Aufgaben flexibel bearbeitet und wie verpasste Studienleistungen nachgeholt werden können.

00:05:12: Eine einfache Möglichkeit ist auch, sich ein paar mehr Aufgaben zu konzipieren, als für die Studienleistungen nötig sind.

00:05:19: Die Studierenden können dann wählen, welche sie bearbeiten und welche sie auslassen.

00:05:24: Nicht alle Studierenden kennen die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Universität.

00:05:29: Es kann also helfen, auf den Familienservice oder das Portal für Studierende mit Kind hinzuweisen.

00:05:35: Kompensationsregelungen für Studierende mit Sorgenaufgaben finden sich in den Prüfungsordnungen.

00:05:41: Während des laufenden Semesters ist es hilfreich, möglichst kontinuierlich alle notwendigen Materialien transparent zur Verfügung zu stellen.

00:05:49: So können Studierende verpasste Inhalte gut nacharbeiten.

00:05:53: Die Uni Bielefeld bietet an, Inputs in Lehrveranstaltungen aufzuzeichnen.

00:05:58: Bei größeren Veranstaltungen mit Vorlesungskarakter kann dies sinnvoll sein.

00:06:02: Wenn aus didaktischer Sicht nichts dagegen spricht, können auch einzelne Sitzungen hybrid angeboten werden.

00:06:08: Manchmal ist es auch relativ unkompliziert möglich, Personen per Videocall zuzuschalten.

00:06:14: Das war's für den Moment.

00:06:16: Hoffentlich können die Handlungsoptionen dazu beitragen, dass Familie und Studium zwar ein Anspruch, aber kein Widerspruch bleiben.

00:06:25: Und wenn es gut läuft, werden in der nächsten Sozialerhebung mehr Studierende ihre Uni als familienfreundlich einschätzen.

00:06:32: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten

00:06:34: Mal. Das war ein Impuls von GiL to go. GiL to go ist eine Produktion des Gleichstellungsbüros der Universität Bielefeld aus dem Programm Gleichstellung sehen und hören. Text: Beate Lingnau, Siân Birkner und Nora Charlotte Gehlen.

00:06:55: Sprecherin: Beate Lingnau.

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