Arbeitsformen
Shownotes
Link zum Leseimpuls:
Literatur
Atanasova, Sanja, Nicolas Robin, und Dorothee Brovelli. 2023. „Genderkompetenz messen – Erfassung der situationsbezogenen Fähigkeiten von Lehrpersonen in Bezug auf genderrelevante Aspekte im Physikunterricht“. Unterrichtswissenschaft 51 (3): 423–53. https://doi.org/10.1007/s42010-023-00169-y.
Eckert, Lena. 2019. „Ein Stuhlkreis ist nicht die Antwort, aber ein Anfang. Methodische Vielfalt in der Hochschullehre als Antwort auf die Vielfalt der Studierenden.“ In Queeres Lehren und Lernen an lehramts-bildenden Hochschulen, herausgegeben von Carolin Vierneisel.
Hattie, John. 2010. Visible Learning. Reprint. Routledge.
Kamphans, Marion, und Arbeitsgemeinschaft für Hochschuldidaktik, Hrsg. 2007. Gender Mainstreaming: Konsequenzen für Forschung, Studium und Lehre; Tagungsband zum gleichnamigen Panel im Rahmen des Internationalen Kongresses der Arbeitsgemeinschaft Hochschuldidaktik (AHD) „Wandel der Lehr- und Lernkulturen an Hochschulen - Hochschuldidaktik im Kontext von internationaler Hochschulforschung und Hochschulentwicklung“ vom 6. bis 9. März 2006 in Dortmund. Studien / Netzwerk Frauenforschung NRW 8. Netzwerk Frauenforschung NRW.
Klenk, Florian Cristóbal. 2019. „Auf den Spuren einer gender- und differenzreflexiven Didaktik – nicht nur in der Informatik.“ In Praxishandbuch Habitussensibilität und Diversität in der Hochschullehre, herausgegeben von David Kergel und Birte Heidkamp. Prekarisierung und soziale Entkopplung – transdisziplinäre Studien. Springer Fachmedien Wiesbaden: 195-251. 1https://doi.org/10.1007/978-3-658-22400-4.klenk
Schmidt, Claudia. 2011. „Typisch weiblich - typisch männlich“: geschlechtstypisches Kommunikationsverhalten in studentischen Kleingruppen. De Gruyter.
Schneider, Michael, und Franzis Preckel. 2017. „Variables Associated with Achievement in Higher Education: A Systematic Review of Meta-Analyses.“ Psychological Bulletin 143 (6): 565–600. https://doi.org/10.1037/bul0000098.
Siegfried, Christin. 2021. „Fachinhaltliche Interaktionen in Gruppenarbeiten und ihr Einfluss auf den Lernerfolg–Eine Videostudie im problemorientierten Wirtschaftsunterricht [Subject-related interactions in group work and the effect on learning success]“. Argumentieren und vergleichen [Argumentation and comparison]. Münster: LIT, 259–77.
Weiterführende Links:
Leitfaden zur Planung von Lehrveranstaltungen – Dee Fink: https://www.uni-bielefeld.de/einrichtungen/zll/hdle/literatur-links/DeeFinkLeitfaden.pdf
Methodensammlung der Toolbox Berlin: https://www.genderdiversitylehre.fu-berlin.de/lehrmethoden/methodenpool/index.html
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00:00:03: Erklärbär, Fragefuchs, Zuhörnchen. In Lerngruppen finden wir sie alle.
00:00:11: Und Sie harmonieren nicht immer gut miteinander, einige sind ständig zu hören, andere hören meist nur zu.
00:00:18: Aber wie wäre es wenn Sie sich plötzlich alle mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften gut ergänzen und sogar voneinander lernen könnten?
00:00:27: Eine Utopie? Ja, vielleicht.
00:00:30: Aber im folgenden Impuls versuchen wir der Sache zumindest ein bisschen näher zu
00:00:34: kommen.
00:00:46: GiL to go. Willkommen zu einem neuen GiL-Impuls.
00:00:48: –.
00:00:49: Thema heute Arbeits und Sozialformen in Lehrveranstaltungen.
00:00:54: Warum ist das wichtig?
00:00:56: Viele Studien zeigen, soziale Interaktion ist eine der größten Stellschrauben für gute Lehre.
00:01:03: Ein optimales Szenario können wir uns ungefähr so vorstellen.
00:01:08: Lehrende stellen viele offene Fragen und öffnen den Raum für angeregte Diskussionen, es gibt viele soziale Interaktionen in kleinen Gruppen und die Atmosphäre im Kurs ist wertschätzend und positiv.
00:01:19: Diese Aspekte können das Lernen beflügeln und tragen auch statistisch gesehen zu guten Lernerfolgen bei.
00:01:26: Aber leider gibt es auch im Hinblick auf Sozialformen nicht die eine Lösung, die für alle Personen und alle Lernszenarien passt.
00:01:35: Und auch hier kommen mal wieder geschlechtsbezogene Unterschiede und Stereotype Rollenvorstellungen zum Tragen.
00:01:42: Studien zeigen nämlich, dass weiblich sozialisierte Personen oft gut in kleinen Gruppen mit konstruktiven Diskussionsaufträgen arbeiten können.
00:01:50: Sie lassen andere bereitwillig zu Wortkommen,
00:01:53: Nehmen sich selbst zurück und versuchen alle Perspektiven zu berücksichtigen.
00:01:58: Eher männlich-sozialisierte Personen können ihr Wissen oft besser in größeren Gruppen präsentieren, sie sind gut darin längere Redebeiträge zu platzieren und ihre Punkte selbstbewusst auszuführen.
00:02:09: Beide Ausprägungen können quasi als Endpunkte eines Kontinuums verstanden werden – beide für sich genommen sind wichtig und in gewissen Situationen zielführend.
00:02:20: Deswegen kommt es in der Lehre auf eine geschickte Auswahl von Sozialformen an.
00:02:24: Setzen wir diese einseitig oder ungünstig ein, bremsen die unterschiedlichen Kommunikationsstile sich quasi gegenseitig aus.
00:02:33: Wählen wir aber verschiedene Arbeits- und Sozialformen bewusst und ausgewogen aus,
00:02:37: Können wir damit ein positives Lernklima und eine angenehme Diskussionskultur für alle fördern.
00:02:43: Dies trägt dazu bei allen Geschlechtern gleiche Chancen und eine faire Beteiligung zu eröffnen, und kann letztendlich sogar zu besseren Lernergebnissen führen.
00:02:55: Worum geht es?
00:02:56: Es lohnt sich zunächst einen Blick auf die Stereotypen-Rollenvorstellungen zu werfen – diese beeinflussen die meisten von uns auch heute noch mehr als wir im ersten Moment denken!
00:03:07: Rollenstereotype Vorstellungen prägen nicht nur das Gesprächsverhalten von Individuen, sondern unter Umständen sogar die Art, wie wir mit unterschiedlichen Personen umgehen.
00:03:19: Plakativ gesagt kann das zu folgendem Dilemma führen.
00:03:23: Gerade in kleineren Kursen glauben wir oft schnell zu wissen, wie gut sich einzelne Studierende mit dem Thema auskennen.
00:03:30: Hand aufs Herz!
00:03:31: Wer hat nicht schon einmal ohne Vorbehalt gedacht, dass eine Person mit einem Stereotyp männlichen Diskussionsverhalten sich ganz bestimmt gut mit einem Thema auskennt?
00:03:40: Schließlich tritt diese Person dominant und selbstbewusst auf, und präsentiert ihr Wissen in Form von längeren Redebeiträgen.
00:03:47: Was dabei schnell in Vergessenheit gerät ist – dass andere Personen unter Umständen einen ähnlichen oder sogar besseren Wissensstand haben!
00:03:56: Sie demonstrieren diesen aber nicht laut sondern hören erst einmal zu….
00:04:00: …oder sich stellen häufiger Fragen.
00:04:03: Gute und ergebnisoffene Diskussionen leben aber von Kooperation, gegenseitigem Zuhören und Offenheit für die Argumente anderer Personen.
00:04:12: Und weiblich-sozialisierte Personen agieren oft kooperativer, hören sich häufiger Gegenargumente an und beziehen andere in Diskussionen ein.
00:04:22: Es geht dabei aber nicht darum, dies auf alle weiblichen oder männlich sozialisierten Personen zu beziehen.
00:04:28: Es gibt außerdem noch viele andere Faktoren wie soziale Herkunft oder rassistische Machtstrukturen, die hierbei ebenfalls eine Rolle spielen.
00:04:37: Und nicht-binäre Personen wurden in der Forschung bisher kaum berücksichtigt!
00:04:44: Dass eher zurückhaltende Verhalten weiblich-sozialisierter Personen kann viele Gründe haben – dazu zählen, die Angst unwissend zu erscheinen,
00:04:53: Der Glaube, dass die eigenen Beiträge nicht wichtig genug sind oder eine generelle Nervosität beim Sprechen vor großen
00:04:59: Gruppen.
00:05:00: Auch die Angst mit einem falschen Pronomen angesprochen zu werden, kann eine Rolle spielen.
00:05:05: Wenn wir als Lehrkräfte also über diese Unterschiede Bescheid wissen und die Sozial- und Arbeitsformen geschickt auswählen, kann dies allen Lernenden helfen ihre Fähigkeiten bestmöglich einzubringen.
00:05:19: Was können wir tun?
00:05:21: Als Einstieg kann es sinnvoll sein, die Lerngruppe für den Umgang mit unterschiedlichen Kommunikationsstilen zu sensibilisieren.
00:05:29: Eine offene Diskussion über Feedbackkultur zu Beginn der Veranstaltung kann helfen, ein faires und unterstützendes Umfeld zu schaffen.
00:05:37: Dies ermutigt die Teilnehmerinnen konstruktives Feedback zu geben – und verbessert die Gesprächskultur insgesamt.
00:05:43: Die Einschätzung von Studierenden kann fairer werden, wenn nicht nur das reproduzierte Wissen bewertet wird.
00:05:49: Studierende, die gut auf Diskussionsbeiträge eingehen können, demonstrieren damit auch wichtige Fähigkeiten.
00:05:56: Die Sozialform Gruppenarbeit kann dabei eine große Rolle spielen, da sie kooperative Zusammenarbeit fördert.
00:06:03: Um eingefahrene Kommunikationsmuster in Gruppenarbeiten aufzubrechen können Gesprächsaufgaben explizit verteilt werden.
00:06:11: Es können unter anderem ModeratorInnen und Expertinnen für bestimmte Themen bestimmt werden.
00:06:17: die Art der Gruppenbildung spielt ebenfalls eine Rolle.
00:06:19: Sowohl die freie Wahl der Gruppenmitglieder als auch eine zufällige Zusammenstellung können das Lernverhalten positiv beeinflussen.
00:06:27: Geschlechtshomogene Zusammensetzungen können unnötige Markierungen der Kategorie geschlechter vorrufen und sollten daher vermieden werden.
00:06:35: Eine regelmäßigen Neuzusammensetzung von Gruppen kann hingegen hilfreich sein, um neue Interaktionen zu fördern.
00:06:42: Auch die eigene Rolle als Moderatorin ist wichtiger als wir manchmal denken!
00:06:46: Es kann zum Beispiel helfen, zu Beginn der Sitzung die Gesprächsregeln zu besprechen und alle Teilnehmer*innen dabei einzubeziehen.
00:06:53: Methoden wie Murmelgruppen oder Blitzlichtrunden senken die Hemmschwelle zur Beteiligung.
00:06:58: Bei Gesprächen im Plenum kann es ebenfalls helfen bei kurzen Antworten nachzufragen, um auch zurückhaltendere Personen zu ermutigen Erstmeldungen zu bevorzugen oder quotierte Redelisten zu nutzen. um FlLINTA*- Personen gezielt einzubeziehen.
00:07:14: Regelmäßiges, niederschwelliges Feedback von der Lerngruppe hilft dabei festzustellen welche Maßnahmen wirklich hilfreich sind.
00:07:20: Anonyme Rückmeldungen können dabei besonders wertvoll sein.
00:07:24: So das war's mal wieder für den Moment.
00:07:27: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten
00:07:29: Mal. Das war ein Impuls von GiL to Go. GiL to go ist eine Produktion des Gleichstellungsbüros der Universität Bielefeld aus dem Programm Gleichstellung Sehen und Hören. Text: Beate Lingnau, Siân Birkner und Nora Charlotte Gehlen.
00:07:50: Sprecherin: Beate Lingnau.
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